JensDiemer

Sieben Sekunden sind sehr kurz. Wie kurz sie sind, wissen wir schon seit längerem. Trotzdem erschien es uns während der Arbeit an dem Spot 'Mückenmucke', als würden diese sieben Sekunden immer kürzer. Aber darauf werden wir später noch länger eingehen.

Die Vorarbeit:

Wir sollten einen sieben Sekunden langen Spot zum Thema Mückenspray verwirklichen.

Nun ist dies ein Thema, das uns alle schon einmal beschäftigt hat. Zumeist kommt uns eine Mücke ungelegen. Diese Blutsauger, die kein Pardon kennen, finden stets in den ungünstigsten Momenten ihren Weg zu uns. Und wenn wir nach aufwendiger Jagd die Mücke erlegt haben, wissen wir doch, dass die nächste schon auf uns wartet. Ob die Mücke eine biologisch wichtige Funktion erfüllt, wage ich zu bezweifeln. Trotzdem müssen wir uns mit ihr auseinander setzen. Hier die Fakten:

  • Ordnung: Zweiflügler
  • Familie: Stechmücke
  • deutscher Name: Gemeine Stechmücke
  • Wissenschaftlicher Name: Culex Pipiens
  • Körperlänge: 3,5 - 5 mm
  • Ernährung: Nektar, Blut von Säugern und Vögeln
  • Verbreitung: ganze Welt

Die Hinterleibssegmente sind dunkelbraun und weiß gebändert. Weibchen können mit dem langen, nach vorn gerichteten Saugrüssel stechen und Blut saugen. Ihr Hinterleibsende ist abgerundet. Die Männchen haben gefiederte Fühler und stechen nicht.

Das Weibchen überwintert an geschützten Stellen. Es legt die Eier auf die Wasseroberfläche ab. Die daraus schlüpfenden Larven hängen an der Wasseroberfläche, wobei ein Atemrohr vom Hinterleib bis zum Wasserspiegel reicht. Sie ernähren sich von Schwebteilchen. Bei Störungen tauchen die Mückenlarven ab. Sie verwandeln sich in Puppen mit 2 Atemhörnern, die auch an der Wasseroberfläche hängen. Nach wenigen TagTagen schlüpft daraus die Mücke.

Bei der weltweit verbreiteten Culex pipiens ist der deutsche Name 'Gemeine Stechmücke' wohl zurecht gewählt. Aber wie wehrt man ein solches 'Biest' ab? Hierfür sind einige Produkte entwickelt worden. Die Produktmarke, auf die wir unser Augenmerk gerichtet haben, ist 'Autan'. Autan hat sich seit mehreren Jahrzehnten mit diesem Problem auseinander gesetzt, und wir glauben, dass sie wissen, was sie tun. Also haben wir uns einen kurzen Spot ausgedacht, der dies unterstreicht.

Das Konzept:

Wir wollen, dass in unserem Spot deutlich wird, dass Dank Autan ein Problem gelöst wird, das wir wahrlich nicht brauchen. Wir wollen sowohl die Bedrohung durch die kleine Mücke, als auch den Frieden, den wir ohne sie haben, deutlich machen. Hierzu steigern wir unseren Film ins Absurde. Machen wir doch aus einer Mücke einen Elefanten. So groß und bedrohlich, wie Insekten seit der Karbonzeit nicht mehr waren. Also mindestens 30 Zentimeter. Aber wo gibt es ein solches Exemplar. Doch nur in unserer Phantasie. Oder in einem fernen Land, südlich gelegen, dort, wo es heiß und schwül ist.

Es heißt, dass im Dschungel so einiges kreucht und fleucht, von dem wir keinen blassen Schimmer haben. Da die Gefahr von der von Stechmücken übertragbaren Malaria in den Tropen ungemein grösser ist, als uns ein nordeuropäischer Mückenstich vermuten lässt, findet unser Film am Ort des Geschehen statt. In Indien. Jenem sagenhaften Land, in dem Schlangenbeschwörer versuchen, todbringende Kobras zu besänftigen. Warum dann also nicht auch ein Riesenmücke.

Die Idee:

Ein Schlangenbeschwörer ist einer ungewohnten Gefahr ausgesetzt. Seit einiger Zeit bedroht ihn eine Monstermücke. Die einzige Möglichkeit dieser Bedrohung Kontra zu geben ist sein besäuselnd schiefes Flötenspiel. Doch die Mücke begibt sich nur kurz dem Trancezustand hin. Sobald der Beschwörer nach Luft ringt, geht sie wieder in Angriffsstellung. Dieses Szenario umfaßt eine Zeitspanne, die wesentlich länger ist als sieben Sekunden. Unser Schlangenbeschwörer ist längst am Ende seiner Kräfte. Und am Ende unseres Filmes wollen wir deutlich machen, das dies nicht sein muss. Denn es gibt Autan. Und mit Autan hätte die Mücke nichts getan.

Warum sollte man all seine Kräfte für eine 'kleine' Mücke verbrauchen, wenn es doch eine solch einfache Lösung gibt. Haben wir denn nichts Anderes zu tun. Zum Beispiel Schlangen zu beschwören?

Die Realisation:

Unser Indien liegt in Köln-Rodenkirchen. Dort hat der Rhein sein Sandbett zwischen kargen Bäumen ausgebreitet. Und, wenn man seinen Blickwinkel begrenzt, sieht es hier fast aus wie in Rajasthan. Natürlich braucht man, um das Bild zu vervollständigen, noch einen Inder und Sonnenschein. Nachdem es mit beidem nach einiger Zeit geklappt hat, benötigten wir nur noch eine Mücke. Da diese nicht anwesend war, haben wir sie nachträglich in 3D gebaut. Als sie uns realistisch genug schien, animierten wir sie, und setzten sie ins Bild.

Der Schnitt:

Dank einiger Probeschnittversionen erkannten wir bald, dass unser ursprüngliches Storyboard mit seinen fünf Einstellungen den Rahmen sprengen würde. Deshalb ließen wir zuerst die zweite, seitliche Nahaufnahme weg. Sie diente lediglich unserem Versuch, den Zuschauer erst glauben zu machen, vor dem Beschwörer befände sich eine Schlange. Die Subjektive von der Mücke in Trance stellten wir wie die Mücke selbst in 3D her. Das Facettenbild, das die Mücke von der Welt besitzt, hat uns hierzu inspiriert. Die Farben des Filmes, vor allem das Rot der Hose des Schlangenbeschwörers, glichen wir dem Rot des Autanetikettes an. Dieses Etikett animierten wir auch mit 3D. Schließlich erkannten wir, dass wir unser ursprünglichen Idee näher kommen, wenn wir auch die erste Einstellung opfern. So hatte die Situation mehr Zeit, sich zu entfalten. Alles schien nun besser zu fließen.

Schließlich brauchten wir nur noch das Flötenspiel und den Slogan. Um das Flötenspiel möglichst schief zu gesalten, haben wir es selber eingespielt. Denn der Synthesizer bringt nur glatte Töne hervor. Aber unser musikalisches Potential auf der Blockflöte ist zum Glück ziemlich schräg.

Hierauf bezieht sich der unser Slogan: 'Autan klingt einfach besser!'

Das 'einfach' mussten wir aus Zeitgründen streichen, und schließlich hieß unser abschließender Slogan: 'Autan klingt besser!'

Die schiefe Melodei des Schlangenbeschwörers könnte einfach durch die Stille von Autan beendet werden.

Eine stille Wirkung, die nicht zu merken ist, denn man merkt sie erst, wenn sie nicht wirkt. Und wir alle wissen, was eine Mücke für Streß bewirken kann. Noch heute beneide ich jenen umsichtigen Jungen, der vor Jahrzehnten bei meinem einzigen Nachtangelversuch in warmer Sommerluft zu meinen Zuckungen nur meinte: 'Du verscheuchst die Fische. Ja, haste dich denn nicht eingeschmiert?'

Das einzige Tier, mit dem ich es in jener Nacht zu tun bekam, war die 'Gemeine Stechmücken'.

Technischer Hintergrund:

Die Aufnahmen wurden in DV gemacht.

Der DV-Stream wurde verlustfrei auf dem Rechner als DV-AVI überspielt. Das so gewonnene Video ist 720x576 Pixel gross, mit einem Pixel-Seitenvergältnis von 1,067 (PAL D1). Um eine bestmögliche Darstellungsqualität für Beamer / Computer zu erreichen haben wir alle weiteren Schritte dafür eingeleitet. Das gesamte Video Matrial wurde Vorgeschnitten um nur brauchbare Aufnahmen zu erhalten:

ca. 2:30 Min Material (515MB DV Video).

Nach einem weiteren Schnitt haben wir nur die benötigten Szenen mit etwas 'Fleisch' vorne und hinten rausgesucht. Diese Vorschnitte erfolgten immer ohne Neukompression, die das Video-Material deutlich verschlechtern würde.

Das so erhaltene DV-Material haben wir DeInterlaced und auf Quadratische Pixel-Seitenverhältnisse Skaliert (d.h. Von 720x576 auf 768x576Pixel vergrößert).

Da DV ein verlustbehafteter Komprimierungsalgoritmus ist, der mit jeder weiteren Bearbeitung (also Dekomprimierung / Komprimierung) schlechter wird (ähnlich der JPG-Bildkompression) haben wir das bearbeitete Rohmaterial im HuffYUV-AVI, einem verlustfreien Komprerssions Format, abgelegt.

Alle weiteren Arbeitsschritte wurden ausschließlich mit HuffYUV Format vorgenommen. Als alternative Formate wäre QuickTime mit verlustfreier PNG-Komprimierung oder völlig unkomprimiertes AVI / QuickTime. Doch unkomprimiertes Video Material ist sehr groß und 'unhandlich' wie der folgende Test mit einem 375 Frames langem Video verdeutlicht:

  • AVI unkomprimiert: 447 MB - 100%
  • QuickTime in PNG: 238 MB - 53% (47% Einsparung)
  • AVI mit HuffYUV Codec: 169 MB - 37% (63% Einsparung)

Nun hatten wir das Video Material für weitere Bearbeitung vorbereitet. Nach dem wir die Farben leicht angepasst haben wurden die 3D-Animation mit dem Videobild verworben.

Nun wurde der Endgültige 7sec. Schnitt mit Überblendungen angefertigt und mit Vor- und Abspann erweitert.

Dieser Fertige Film kann nun in alle denkbaren Formate angefertigt werden:

  • als DV-Stream
  • als MPEG-4 / RealMedia für Internetseite
  • als MPEG-2 für eine DVD

Vor und Abspann:

Der Vor und Abspann ist im AfterEffects Kurs bei Dozent Kai Christmann entstanden.