JensDiemer

Erzähler:
Der alte Mann saß wieder allein über leerem Pergament. Es war sein erstes Buch. Und es sollte das Buch über allen Büchern werden. Für das erste Kapitel brauchte er nur eine Woche. Da fielen ihm die Worte noch leicht. Dann kamen die Zweifel.

Gottes innere Stimme:
‚ Nein, ich will es noch einmal versuchen. Denn mein Wort soll ein Bund sein zwischen Zunge und Sprache, dem Menschen und mir. Und dieser Bund muß fest geschnürt werden.‘

Erzähler:
Seine Worte waren so alt wie er, und er hatte Angst, das sie nicht mehr versanden werden. Aber sein Wort war sein Werk. Und weil er dies wußte, gingen sie ihm noch schwerer von der Hand.

Gott:
"Der Mensch war sich eins, denn er hatte einerlei Sprache und einerlei Sinn. Und er fiel in dieses Land...nein...und er ließ sich in diesem Lande nieder."

Erzähler:
Seine Hände waren wund. Wund von dem Willen, nur das Wahre zu sagen.

Gott:
"Und er breitete sich aus in jener Ebene...ah...und sagte: ‘Wir wollen uns sammeln...uns...aufhäufen...zu einem Berg...oder zu einem Turm...Uns sammeln um einen Turm zu bauen...einen Turm...einen Turm, der bis in den Himmel reicht. Ins Himmelreich."

Erzähler:
Die Hand schmerzte wieder. Die Worte nach denen er griff, hatten ihre Zeichen hinterlassen.

Gottes innere Stimme:
‚ Wohin wird das führen?...Ich baue mit meinen Worten Großes, und der Mensch, der nicht versteht, bringt alles zu Fall. Denn der Mensch ist in Wahrheit nicht eins. Die Menschen sind entzweit mit sich und ihrem Wort und mit mir und dem meinem. Der Mensch ist dem Menschen fremd, denn er versteht ihn nicht.‘

Gott:
"Verdammt soll er sein!...Ja, so soll es sein. Ich komme hernieder und zerschlage den Bund mit denen, die nicht verstehen. Auf das sie nimmermehr verstehen werden. Zerstreue sie in alle Welt. Wirrwarr, Chaos, Zusammenbruch. Die Menschen und ich..."

Nachrichtensprecher:
"...schalten um zu unserem Korrespondenten ins Unogebäude nach New York.
Herr Schnitzler, die hitzige Debatte scheint zu eskalieren, man hört von ersten Ausschreitungen. Wie ist die Lage vor Ort...Ich kann sie leider nicht verstehen...Hören Sie mich?...Wir sehen, bei Ihnen herrscht das reine Chaos...Entschuldigen Sie die schlechte Verbindung, da läßt sich wohl im Augenblick nichts machen."

Gott:
"...Oder doch wieder eine Flut?"

Nachrichtensprecher:
"Das Wetter."